II.
FIDICINIA INSTRUMENTA:
Das XX. Capitel.
Violen, Geigen /Violuntzen.
Sennd zwenerlen.
1. Viole de gamba : 2. Viole de bracio, Oder de brazzo: Und haben den Namen daher / daß: die ersten zwischen den benden Beinen gehalten werden: Denn gamba ist ein Italianisch wort / und heist ein Bein / legambe, die Beinen. Unnd dieweil diese viel grössere corpora, und wegen des Kragens lenge / die Säiten auch ein lengern Zug haben / so geben sie weit ein lieblichern Resonanz / Als die andern debracio, welche uff dem Arm gehalten werden. Diese bende Arten werden von den Kunst pfeiffern in Städten also unterschieden / daß sie die Violn de gamba mit dem Namen Violen: Die Violen de bracio aber / Geigen oder Polnische Geigeln nennen: Vielleicht daher / daß diese Art erstlich aus Polen herkommen senn sol / oder daß doselbsten außbündige treffliche Künstler uff diesen Geigen gefunden werden.
Die Violen de Gamba haben 6. Säiten / werden durch Quarten, und in der Mitten eine Terz gestimmet / gleich wie die sechs Chörichte Lautten. Die Engelländer / weñ sie alleine darmit etwas musiciren, so machen sie alles bißweilen umb ein Quart, bißweilen auch eine Quint tieffer / also / daß sie die untersten Säiten im kleine Baß vors D; im Tenor und Alt vors A; Im Cant vors e rechnen und halten: Do sonsten / wie oben in der Tabell zu ersehen ein jedere (nach dem Cammerthon zu rechnen) eine Quint tiffer / Als nemlich der Baß ing GG; der Tenor und Alt ins D; der Cant ins A gestimmet ist. und daß gibt in diesem Stimmwerck viel eine anmutigere / prächtigere und herrlichere Harmonij, als wenn man im rechten Thon bleibet. (Deren Abriß in Sciagr. Col. XX.
Die groß Viol de gamba (Italis Violono, oder Contrabasso da gamba, deren Abriß in Sciagr. Col. VI. wird von den meisten per quartam durch und durch gestimmet; Und solche Art gefellt mir nicht sehr ubel: Achte auch davor / es sen nicht groß dran gelegen / wie ein jeder seine Geigen oder Violen stimmet / wenn er nur das seine just / rein und wol darauff præstiren kan.
Wie dann ihrer viel sich auch damit etwas sonderliches bedüncken lassen / unnd daher etliche Organisten / wegen dessen / daß sie nicht dieser oder jener Application mit den Fingern sich gebrauchen / verachten wollen. Welches aber meines erachtens des Rede nicht werth ist: Denn es lauffe einer mit den foddern / mitlern / oder hinderfingern hinab oder herauff / Ja / wenn er auch mit der Nasen darzu helffen köndre / und machte und brechte alles sein rein / just und anmutig ins Gehör / so ist nicht graß dran gelegen / Wie oder uff was maß und weise er solches zu wege bringe.
NB. In diesen allen Geigenden Instrumenten, so mit Säitten von Dermern gemacht / bezogen werden / weisen die Noten in der vorgesezter Tabell nicht mehr / als wie hoch, oder tieff ein jeder Säitte gestimmet werde / und nicht wie hoch man im selbigen Instrument, mit den Fingern und Bünden ascendiren könne: Welches eim jedern Instrumentisten nicht unwissend. In den blasenden Instrumenten aber hat solches nothwendig angedeutet werden müssen.
Die Alten haben dieser Violen de gamba, wie im Agricola zu befinden / drenerlen Arten gehabt: Dann etliche sind mit dren Säitten; Etliche mit vier; Und etliche (wie in Sciagr. Col. XXXIV.) miet fünff Säitten; gezogen worden. Darvon hieroben in Tabella universali mit mehrerm zu ersehen.
Dieweil aber uff den gar grossen Baßgeigen / oder Violonen / wegen der grossen lenge und distanz zwischen dem obristen Kragenbunde / unnd dem untern Steige die kleinen Säiten selten außhalten können:
So hat ein Musicus zu Prag den Sachen etwas weiter und tiffer nachgedacht / und eine Baßgeig angeben / auch verfertigen lassen / daran unter den sechs Säiten / von der grossen anzurechnen / jederzeit die eine ein kürzern Zug / als die andere bekömmet / und also die kleineste fast umb einen ganzen Schuch / als nemlich 12. Zoll kürzer wird / denn die gröste. in dem er nicht allein den untersten grossen Steig (gleich in einem Penorcon und Orpheoeron) schrem oder obliquè hinauff / besondern auch den obersten kleinen Steg / schrem herunter gebracht / und dahero die Bünde ganz ungleich werden müssen / daß sie darüber mit Fingern nicht zu begreiffen. Darumb den nothwendig ein solch Mittel erfunden / daß uber den ganzen Halß / gleich an den gemeinen Bawer Lenren / eine Decke gemacht / und unten fast am ende / 6. Plöcklein fünffechicht neben einander / die man gleich / als die Clavier uff der Lenrehinnein drucken / und damit die rechte Bünde einer jeden Säitten antrucken und berühren können.
Denn an den Plöcklein oder Clavieren, wennich sie also nennen sol / sennd starcke messings Drot / gleich wie in den grossen Pommern an den Messingsschlüsseln / gewesen / welche so hoch hinnauff gangen / daß ein jedes seinen Bund erreichen können: Und also wegen dessen / daß eine jede Säitte ihren Zug halten / und auch der Baßgeiger oder Violonista mit der Hand nicht so weit hin und herwider fahren und greiffen / sondern die Clavier oder Bünde so zurechnen / hart neben einander haben und antrucken mögen / gar eine seine Invention ist.
Dieses aber mißfellt mir / daß oben am Kopff an statt der Közernen / eiserne Wörbel gemacht senn / daran außwerts ein eingekerbtes Rädichen / daß sich / gleich wie an den Uhren und Schlag Seegerlein / mit einer Stöhnfeddern zurück halten und forttreiben lest. Daden / wenn nur ein einige Kerbe abgelassen oder auffgezogen wird / die Säite in die 2. Commata also bald ascendirt oder descendirt, und daher meines erachtens so gar rein und just dergestalt zu andern Instrumenten nicht wol accordirt und gebraucht werden kan.
Doch were demselben auch gar wol kürzukommen / daß nur die Kärblin in solchen Räderlin auffs allerengste und genaweste nahe beneinander eingefeilet würden / so köndte mit einer Kerbe ab - und zuzulassen / die distantz des soni oder toni so gar mercklich nicht gespüret / unnd die Säitten desto reiner und genawer in ein jedes Instrument miet eingestimmet werden: Dahero dann diese Art / viel besser und beständiger als die gemeine Wörbel wehre / weil sie dergestalt ganznicht nachlassen / oder zurück weichen können.
NB.
Es sind auch newlicher zeit zween gar grosse Violn de Gamba Sub Basse, deren Abriß Col. V. zu finden) gefertiget worden / darben man die andern grosse ContraBässe / zu den Tenorn- und Altstimmen / den kleinen Viol de Gamben Baß aber an stadt des Discants gebrauchen kan. Daruffich auch ein Concert mit unterschiedlichen Choren / (Lauda Hierusalem Dominum) welches in Polyhymnia Nona, mit Göttlicher Hülff in kurzem auch herfür kommen wird / mit 17. und 21. Stimmen / nach meiner wenigkeit Componiret habe: Do dann die fünff Stimmen desselben Chors alle in Octava inferiore müssen gegeiget werden. Dieweil aber derselbige Chor mit so viel grossen Geigen / gleich wie uff Orgeln / wenn man im Manual zum groben Principal oder Gedacten flöte von 16. Füffen die Tertien und Quinten unten in der Tieffen mitnimpt / gar zu sehr in einander summet und murmelt / sohabe ich befunden / daß es ungleich annemlicher unnd anmuthiger sen / die rechte Violn de gamba zu den Obern- und Mitlernstimmen / den gar grossen SubBaß aber in der Octav zum Baß gebrauchen / da es denn von fernen / als ein tieffer Unterfaz und Sub Baß in einer Orgel / gehöret wird.
Darben ich dann auch dieses erinnern muß: Daß / wenn man uff dieser grossen Sub Baßgeigen / und uff der Octav Posaun eine Parten mitmusiciren wil / so muß der Baß umbgeschrieben / das uff die mittelste Lini / und die unterste Noten alle umb eine Octav höher / gleich einem niedrigen Tenor / gesezet werden; Und aldann kömpt es den Instrumentisten gar leicht unnd eben / als wenn er sonst uff ein Tenor-Instrument seine Parten machte; Dieweil solche gar tieffe Instrumenta gleich in einer Octav unter dem rechten Tenor stehen.
Und dieses kan auch in DoppelFagotten / und gar grossen Baß-
Pommern bißweilen in acht genommen
werden.
Das XXI. Capitel.
VIOLBASTARDA
(in Sciagraphia Col. XX.)
Dieses ist eine Art von Violn de Gamba, wird auch gleich also / wie ein Tenor von Violn de gamba gestimmet / (den man auch in manglung darzu brauchen kan) Aber das Corpus ist etwas länger und grösser. Weiß nicht / Ob sie daher den Namen bekommen / daß es gleichsam eine Bastard sen von allen Stimmen; Sintemal es an keine Stimme allein gebunden / sondern ein guter Meister die Madrigalien, unnd was er sonst uff diesem Instrument musiciren wil / vor sich nimpt / und die Fugen und Harmony mit allem fleiß durch alle Stimmen durch und durch / bald oben außm Cant, bald unten außm Baß / bald in der mitten außm Tenor und Alt herausser suchet / mit saltibus und diminutionibus zieret / und also tractiret, daß man ziemlicher massen fast alle Stimmen eigendlich in ihren Fugen und cadentien daraus vernemen kan. Wie ich dann den unwissenden zur nachrichtung 2. oder 3. Exempel am ende dieses dritten Theils hette mit einsezen wollen: Wil es aber sparen / biß in den Appendicem Tertij Tomi, nim: Instructionem pro Symphoniacis.
Es werden aber solche Violn de Bastarda uff mancherlen Art gestimmet / als in der Tabell zu ersehen / und noch uff viel andere weise mehr / darnach der Meister den Gesang gesezet und gerichtet hat.
Iezo ist in Engelland noch etwas sonderbares darzu erfunden / daß untr den rechten gemeinen sechs Säitten / noch acht andere Stälene und gedrehete Messings-Säitten / uff ein Messingen Steige (gleich die uff den Pandorren gebraucht werden) liegen / welche mit den Obersten gleich und gar rein eingestimmet werden müssen. Wenn nun der obersten dermern Säitten eine mit dem Finger oder Bogen gerühret wird / so resonirt die unterste Messings- oder Stälene Säitten per consensum zergleich mit zittern und tremuliren, also / daß die Liebligkeit der Harmony hierdurch gleichsam vermehret und erweitert wird.
Daher Augenscheinlich und Handgreifflich zu befinden / daß die Harmony der Consonantiarum ganz in die Natur gepflanzet sen. Dann wenn in einer Stuben / Cammer / oder sonsten eine Säite uff der Viol intoniret wird / unnd eine Laute oder Cyther uffm Tische lieget / oder an der Wand henget / so reget und beweget sich uff derselben Lauten oder Cyther / die Säite / welche unter denselben gar rein / und eben mit deren / so uff der Viol mit dem Bogen gestrichen wird / gleichlauts einstimmet: Welches man umb so viel gewisser unnd eigendlicher / wenn ein Strohelmlin uff dieselbige Lauten- oder Cytherfäiten gelegt wird / observiren und erfahren kan.
Und empfinden solche schneidende Harmonij die Messings und Stälene Säiten viel eher und mehr / als die dermern / also / daß sie sich nit allein bewegen / sondern auch zugleich mitresoniren, uñ ein sonu von sich geben. So geschichts auch oft uff der grossen Bassviol de Gamba, wenn das gar grosse GG uff der untersten Säiten mit dem Bogen scharff intonirt wird / daß oben die Säite / welche just in der Octaven mit dem G einstimmet / zugleich sich beweget und mit resoniren thut. Ja daß noch mehr ist / so bezeugt die Erfahrung / daß / wenn ein Orgelmacher in uffsezung unnd zusammenfügung einer Newen Orgel / oben uffm Gerüste eine Pfeiffe nach der andern einsezen und stimmen / und in der enl wissen wil / wo erunter allen Pfeiffen / so uffm Gerüste nach einander liegen / die Pfeiffen so er haben muß / sinden könne: So lest er in der Orgel nur die Octav von derselben Pfeiffe intoniren, alsbald kan er unter denen uffin Gerüste / wenn er eine nach der ander anrühret / am zittern die Octava finden: Denn sich dieselbige Pfeiffe von dem Klang und Thon der andern in der Orgel also zitternd beweget / daß man es greiffen und fühlen kan.